Listening Session / Megadeth – Dystopia

Megadeth

Megadeth – Dystopia

Release: 22.01.2016
Label: Universal Music
Länge: 46:51
Tracks: 11
(Bonusversionen verfügbar)

Mit ihrem 15. Studioalbum melden sich Megadeth nach 3 Jahren mit einer neuen Scheibe zurück. Aufsehen erregte ewiger Frontmann Dave Mustaine mit der Verpflichtung von „Lamb of Gods“ Chris Adler, nachdem Shawn Drover und Chris Broderick überraschend die Band verließen.

Das Intro von „The Threat is Real“ sorgt mit orientalischen Klängen sowie mit schnell einsetzendem Riff bereits für Vorfreunde auf was da kommen mag. Das eingespielte Solo sorgt leider gleich für eine „Superman-Melodie“, hier wäre weniger mehr gewesen. In der Strophe jedoch ein hartes, angenehm tiefes Grundriff mit Dave Mustaines unverkennbarer Stimme. Die Bridge mit mitreißendem Refrain kommt gut rüber, nur um daraufhin von einem irgendwie unpassenden Solo zerstört zu werden. Da ist man direkt dankbar, wenn die Strophe wieder einsetzt. Das eigentliche Hauptsolo hingegen mit seht gutem Grundriffing macht wieder richtig was her. Dabei versorgt uns Chris Adler auch mit ordentlichen Double-Bass Salven. Insgesamt ein relativ unspannender Megadeth Song mit anfänglichen Startschwierigkeiten.

Der Titelsong des Albums, „Dystopia“ erinnert anfangs sehr stark an ein Titelthema einer Anime-Serie, oder könnte auch die von Scarface sein. Auch die Strophe erweckt diesen Eindruck, heroischer Gesang von Mustaine und epischeres Riffing. Der Refrain bringt jedoch einen Mitsingcharakter mit und in der zweiten Strophe reißt der Song unwillkürlich mit, nur um im nächsten Refrain erneut durch ein Solo gekillt zu werden. Wer kam eigentlich auf die Idee, dieses Solo unter einen Refrain zu legen? Vollkommen deplatziert, schade! Der Riffwechsel und das Hauptsolo hingegen machen wieder richtig Laune, aber dafür sind Megadeth ja bekannt. Richtig schönes Shredding und geiles Endriff. Das Schlagzeugkonzept selbst unterscheidet sich kaum vom vorherigen Song, viele Toms und immer kurze Double-Bass-Salven, ab und an ein Blastbeat.

„Fatal Illusion“ steigt mit schwergängigem Riff und vielen Toppings sehr langsam ein. Doch was der David Ellefson mit seinem Bass daraufhin entfesselt, ist endlich das, wonach sich jeder Megadeth Fan gesehnt hat. Schnelles Riffing lässt innerhalb von Sekunden keine Füße mehr stillstehen und die Muskeln zum Headbangen spannen sich reflexartig in freudiger Erwartung an. Endlich ein Song, wo jedes kurze Solo nicht deplatziert wirkt, sondern noch eher die Drehzahl der Haare noch steigert. Ein schnelles und abruptes Ende lässt einen jedoch eiskalt in der plötzlichen Stille etwas verdattert stehen.

„Death from within“ beginnt mit einem Low- und High-Cut. Die einsetzende Strophe jedoch kann trotz etwas verlangsamtem Tempo an den Vorgänger anknüpfen, nur der Refrain lässt das letzte bisschen Punch vermissen, wobei mitsingen hier problemlos möglich ist. Die Solos selbst sind jetzt nicht die aufregendsten, aber dennoch präzise und solide.

„Bullet to the Brain“ überrascht mit Snare und einer Akustikgitarre. Das folgende schwere Riff überspielt dann sehr gut den fast jammernden Gesang von Mustaine, die Bridge und der Refrain haben allerdings wieder richtig Biss und packen richtig an. Ein trauriges (nicht technisch, melodisch!) Solo soll nun das ganze abrunden, die Shredparts dazu geben dem ganzen eine gewisse Würze.

„Post American World“ startet wieder mit sehr tiefem Riffing, schafft jedoch nur ein leichtes Kopfnicken, der Refrain folgt einem jammernden Stil, auch das Solo dazwischen bringt durch seinen Charakter keine Besserung. Ein Akustikpart zieht das ganze noch etwas tiefer, um jedoch mit Drumming ein Solo mit richtig geiler Doublebass einzuleiten. Auch das Abschlussolo macht was her.

„Poisonous Shadows“ legt mit Akustikklampfe vor, um einem epischen Aufbau folgend in eine schwere Verse mit Solo zu gehen. Orchestrale Klänge und weiblicher Hintergrundgesang wurden ebenfalls eingearbeitet. Der Refrain berührt auf seine dramatische Art zudem etwas im Inneren, genau lässt sich das aber irgendwie nicht greifen. Nur erneut schade, dass das Solo diese drückende Stimmung nicht beibehält, erst im Refrain wird man wieder darauf hingeführt. Abschluss des ganzen bilden ein flüsternder Mustaine mit einem Klavier, welches unter die Haut geht. Spitze!

„Conquer or Die“ bleibt dem Akustikprinzip treu lange Zeit am Anfang treu, das folgende Riffing macht sich richtig gut. Als reiner Instrumentalsong ist dieser natürlich vollgepackt mit Solos welche ihresgleichen suchen, und diesmal gut abgestimmt sich in das Konzept einfügen.

„Lying in State“ bringt durch kontinuierliche Double-Bass wieder das Blut im Kopf in Schwung, und der Drang nach Bewegung kommt erneut auf. Ein Song endlich wieder geschmiedet nach altem Megadeth Rezept. Das Zwischenriff gibt dem ganzen noch zusätzliche Schärfe, das Solo hätte dafür ruhig noch später kommen können.

„The Emperor“. Erinnert etwas an „Public Enemy No.1“. Gutes Riff, etwas seltsam klingender Refrain, welcher aber überraschenderweise trotzdem ins Konzept passt. Insgesamt macht der Song einen „pop“ mäßigen Eindruck. Das Solo versucht dies indes durch Speed wieder wettzumachen.

„Foreign Policy“ ist ein Coversong der Band „FEAR“. Dieser wurde in seinen Grundsätzen beibehalten, doch der Megadeth Stempel ist so unverkennbar wie ein Vorschlaghammer. Das Tempo und die anders gestimmten Gitarren geben dem ganzen mehr Druck, Daves Stimme dazu tut ihr übriges.

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Die Frage aller Fragen: Kaufen oder nicht Kaufen?

Kommt darauf an was ihr erwartet. Wer ein klassisches Megadeth Album erwartet wie „Rust in Peace“ oder „Peace Sells…but who’s buyin’“ wird mit dieser Scheibe nicht ganz so glücklich werden. Mehrere teilweise komisch anmutende Ausflüge in andere Gefilde sowie manches deplatzierte Solo werden nicht verziehen. Auch vermisse ich Songs mit richtigem Hitcharakter wie „Headcrusher“ „Holy Wars“ oder auch „Symphony of Destruction“, einfach ein Track welcher einen auf Anhieb umhaut.
Wer jedoch ein Fanboy ist und ein neuartiges Megadeth hören will, sollte sie zumindest einmal an getestet haben. Für Leute, welche in die Band neu einsteigen wollen, ganz die falsche Platte.
Grundsätzlich: Lasst euch von keiner Review abschrecken! Wenn euch eine Scheibe interessiert, hört rein! Es wird sicherlich der ein oder andere ein andere Auffassung haben.

von: cave